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Geschrieben von: INSIRE Consulting
28. Januar 2026

SAP S/4HANA Brownfield Migration: Risiken, Erfolgsfaktoren und Praxis-Checkliste für die System Conversion

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Lesezeit: 7 Minuten

Eine SAP S/4HANA Brownfield Migration (auch System Conversion von SAP ECC nach S/4HANA) gilt als schneller Weg in die S/4-Welt: Prozesse bleiben weitgehend bestehen und historische Daten werden übernommen. Genau deshalb wird Brownfield oft als „technisches Upgrade“ geplant.

In der Praxis ist eine Conversion jedoch mehr als Technik. Sie berührt den Kern von Finance, die Datenqualität, Custom Code, Integrationen, Berechtigungen und die Stabilität des Monatsabschlusses. Wer diese Themen früh und strukturiert angeht, reduziert Test- und Go-Live-Risiken deutlich – und sorgt für sauberes Reporting, stabile Abschlüsse und bessere Performance.


Brownfield in 60 Sekunden: Wann passt der Ansatz – und worauf kommt es an?

Brownfield passt gut, wenn:

  • Prozesse grundsätzlich funktionieren und schnell auf S/4HANA gehoben werden sollen
  • Historische Daten (z. B. Finance/Anlagen) im System bleiben müssen
  • Zeit und Change-Aufwand begrenzt sind

Die häufigsten Stolpersteine:

  • Datenqualität wird „sichtbar“ (Stamm-/Bewegungsdaten, Konsistenzregeln)
  • FI-AA Altlasten (Anlagenhistorie, Abschreibung, Org-Änderungen)
  • Ledger-/NewGL-Historie, Parallelbewertungen, Sonderlogiken
  • Z-Entwicklungen, Schnittstellen, Jobs, Performance

Erfolgsprinzip:

Brownfield ist schnell – wenn Finance-Risiken, Datenqualität und Custom Code früh in ein klares Vorgehen und eine robuste Teststrategie übersetzt werden.

Was bedeutet SAP S/4HANA Brownfield Migration?

Bei einer Brownfield Migration handelt es sich um die System Conversion eines bestehenden SAP ECC Systems nach SAP S/4HANA. Im Gegensatz zu Greenfield werden typischerweise Customizing, Stammdaten und Transaktionshistorie weitgehend übernommen.Vorteile: schnellere Umsetzung, Kontinuität, weniger Prozessneudesign
Nachteil: historische Altlasten und Inkonsistenzen werden ebenfalls mitgenommen – und führen in S/4HANA häufig zu Problemen, die vorher „kaschiert“ waren.

Die größte Herausforderung: Datenqualität wird in S/4HANA unübersehbar

In vielen ECC-Systemen haben sich über Jahre Workarounds, Sonderfälle und inkonsistente Stammdaten etabliert. Operativ hat das funktioniert, weil sich Fachbereiche angepasst haben.

In S/4HANA greifen jedoch häufig strengere Konsistenzlogiken, neue Prüfungen und ein transparenteres Datenmodell (z. B. Universal Journal). Eine Conversion wirkt daher wie ein Röntgengerät: Fehler werden im integrierten Test, in Abstimmungen oder im Monatsabschluss plötzlich sichtbar.

Typische Symptome im Projekt:

  • Differenzen in FI/CO-Abstimmungen
  • Unplausible Salden oder Auswertungen
  • Fehler in Massentransaktionen / Jobs / Schnittstellen
  • Unerwartete Laufzeiten im Closing

Best Practice: Datenqualität nicht erst „in Tests“ behandeln, sondern früh als eigenes Arbeitspaket planen (Ownership, Regeln, Maßnahmen, Nachverfolgung).

FI-AA: Alte Anlagenstammdaten sind ein häufiger Risikotreiber

Ein besonders typischer Problemcluster in Brownfield-Projekten sind historische FI-AA-Daten: Anlagen werden über Jahre durch Org-Änderungen, Systemanpassungen oder frühere Migrationen „mitgeschleppt“. Dadurch entstehen u. a.:

  • unplausible Nutzungsdauern / Restbuchwerte
  • unvollständige Stammdaten (z. B. fehlende Schlüssel, Zuordnungen)
  • historisch falsch gepflegte Abschreibungsschlüssel
  • Sonderlogiken, die operativ toleriert wurden

In S/4HANA kann das schnell in Abschreibungsläufen, im Closing, bei Audit-Anforderungen oder bei FI/CO-Abstimmungen auffallen.

Archivierung als Hebel: weniger Volumen, weniger Komplexität

Ein Archivierungsprojekt vor der Conversion kann sinnvoll sein, wenn das Datenvolumen hoch ist oder die Historie unnötig viel Komplexität mitbringt. Weniger Daten bedeutet häufig:

  • schnellere technische Laufzeiten
  • weniger Testaufwand
  • weniger „Fehlersuche in der Vergangenheit“

NewGL & Ledger-Logik: unterschätzte Vorarbeit vor der System Conversion

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Finanzarchitektur im Ausgangssystem – besonders bei historisch gewachsenen NewGL- und Ledger-Setups. Häufige Ausgangslagen:

  • Parallelbewertungen, Sonderledger, uneinheitliche Ledger-Nutzung
  • unvollständige oder „halb“ umgesetzte Umstellungen aus früheren Projekten
  • historisch gewachsene Sonderregeln, die kaum dokumentiert sind

Das macht eine Conversion riskant, weil Erfolg nicht nur „technisch“ ist. Entscheidend ist, ob nach Go-Live:

  • der Monatsabschluss stabil läuft
  • Salden stimmen
  • Reporting belastbar ist
  • Revisionssicherheit gewährleistet bleibt

Empfehlung: Ledger-/Bewertungslogik früh analysieren, dokumentieren und in einen klaren Zielzustand überführen – bevor die Conversion die Themen verschärft.

Custom Code & Integrationen: die „leisen“ Showstopper

Brownfield wird gern als „minimaler Change“ verkauft – aber Z-Entwicklungen sind oft der Haupthebel für Risiken und Budget. ECC-Landschaften enthalten häufig:

  • Z-Reports, Exits, BAdIs
  • Schnittstellen (IDoc/API/File)
  • Hintergrundjobs und Batchketten

In S/4HANA ändern sich Datenmodelle und Zugriffspfade. Dadurch kann schon eine kleine Abhängigkeit Prozesse brechen oder Performance verschlechtern.
Praxisregel: Nicht „alles prüfen“, sondern früh priorisieren:

  • Was ist geschäftskritisch (Close, Payments, Tax, Reporting)?
  • Was kann stillgelegt werden?
  • Was muss angepasst werden (inkl. Performance-Kriterien)?

Teststrategie & Cutover: warum Brownfield nicht automatisch schnell ist

Viele Brownfield-Projekte verlieren Zeit, weil Tests zu spät oder zu unstrukturiert geplant werden. Auch wenn Prozesse „gleich bleiben“, kann sich das Systemverhalten ändern – besonders in:

  • Finance Close und Abstimmungen
  • Zahlungsverkehr / Banking
  • Steuern
  • End-to-End-Ketten und Integrationen

Eine robuste Teststrategie ist daher kein Add-on, sondern Voraussetzung für einen stabilen Go-Live. Und der Cutover muss realistisch sein: Qualität entsteht nicht durch Tempo, sondern durch stabile kritische Abläufe.

Change Management: Brownfield heißt nicht „keine Veränderung“

Auch bei Brownfield merken Anwender Veränderungen: Fiori, Rollen, Suche, Felder, Navigation, Benutzerführung. Wenn Kommunikation nur „alles bleibt wie früher“ sagt, entsteht nach Go-Live unnötige Reibung.

Schlanker Enablement-Ansatz:

  • Top-Rollen identifizieren (Finance Key User, AP/AR, AA, Reporting)
  • Was ändert sich pro Rolle? (Screens, Felder, Fiori Apps, Prozesseinstieg)
  • Kurze, gezielte Trainings + Job-Aids
  • Hypercare-Support entlang der kritischen Use Cases

Praxis-Checkliste: So reduzierst du Brownfield-Risiken messbar

1) Finance & Daten (vor Build/Test)

  • Datenqualitäts-Scope definieren (kritische Tabellen/Objekte, Regeln)
  • FI/CO-Abstimmungskonzept und Testfälle festlegen
  • FI-AA Altanlagen bewerten (Hotspots, Bereinigung, ggf. Archivierung)
  • Ledger-/Parallelbewertung dokumentieren inkl. Zielzustand

2) Technik & Custom Code

  • Custom Code Inventar + Kritikalität (Close/Payments/Tax/Reporting zuerst)
  • Schnittstellen-Landkarte (E2E-Ketten, Monitoring, Fallback)
  • Batchketten + Laufzeiten als harte Abnahmekriterien

3) Test & Cutover

  • Teststufen: Unit → SIT → UAT → Regression → Cutover-Test
  • „Closing-Simulation“ als eigener Meilenstein (inkl. Laufzeiten)
  • Cutover-Runbook: Rollen, Schritte, Abhängigkeiten, Entscheidungspunkte

4) Adoption & Betrieb

  • Rollen-/Berechtigungskonzept (Fiori/Backend)
  • Enablement-Plan pro Rolle
  • Hypercare-Plan (Prioritäten, Ticket-Triage, Daily War Room)

Fazit: Brownfield Conversion erfolgreich umsetzen

Eine SAP S/4HANA Brownfield Migration ist ein starker Weg, wenn Geschwindigkeit, Kontinuität und die Übernahme historischer Daten wichtig sind. Der Erfolg hängt jedoch davon ab, ob typische Risiken früh entschärft werden: Datenqualität ist der Kern, FI-AA Altlasten sind ein häufiger Hebel für Probleme, und Ledger/NewGL-Logik muss vorab sauber verstanden und in einen Zielzustand gebracht werden. Dazu kommen Custom Code und Integrationen als „leise“ Showstopper.

Wer diese Themen strukturiert vorbereitet und mit einer belastbaren Test- und Cutover-Logik verbindet, erreicht eine stabile System Conversion – und eine S/4HANA-Basis, die im Betrieb wirklich trägt.

Erfahren Sie hier mehr über die SAP S/4HANA Transformation

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