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Viele Unternehmen stehen im internen Reporting vor der Herausforderung, über Jahre gewachsene Report-Painter/-Writer-Strukturen in eine S/4HANA-konforme Reportingwelt zu überführen. Besonders betroffen sind dabei die Controlling-Bereiche, weil diese Berichte im Tagesgeschäft häufig fest verankert sind – als Standardinstrument für Planung, Steuerung und regelmäßige Auswertungen.
Dieser Fachbeitrag beleuchtet das Reporting in SAP S/4HANA im Controlling-Umfeld. Da das Thema Reporting sehr breit ist, fokussiert sich der Artikel gezielt auf die Ablösung bestehender Report-Painter-Berichte im Controlling mithilfe „benutzerdefinierter analytischer Abfragen“.
Bewährte Berichtstechnologie mit Grenzen im modernen S/4HANA-Reporting
IIn SAP R/3- und ECC-Systemen basieren viele dieser Auswertungen auf der Report-Painter/Writer-Technologie. Sie ermöglichte es, Berichte und Layouts zu erstellen, die in unterschiedlichen fachlichen Kontexten wiederverwendbar sind und im Tagesgeschäft lange Zeit zuverlässig funktioniert haben.
Zu den Stärken von Report Painter/Writer zählen insbesondere die Abbildung komplexer Berichtslayouts sowie die hohe Flexibilität in der Gestaltung. Gleichzeitig zeigen sich im heutigen Umfeld auch Grenzen: Viele Berichte wirken starr und in der Bedienung weniger zeitgemäß, die multidimensionale Analysefähigkeit moderner S/4HANA-Reportings wird nur eingeschränkt unterstützt, und auch Themen wie Export-/Download-Funktionalitäten sind häufig nicht auf dem Niveau aktueller Lösungen.
Neue Anforderungen an flexible Controlling-Berichte
Die Technologie ist weiterhin verfügbar, wird jedoch von SAP nicht mehr aktiv weiterentwickelt, da der strategische Fokus auf Embedded Analytics in S/4HANA liegt.
Sehr schnell werden in der Praxis Vergleiche zwischen den gewohnten Möglichkeiten aus Report Painter und den neuen analytischen Fiori-Berichten gezogen – oft begleitet von gemischten Gefühlen und hohen Erwartungen. Dabei zeigt sich rasch, dass der SAP-Standard in Fiori, etwa „Plan/Ist Kostenstellen“ oder „Profit Center Plan/Ist“, bei vielen Anforderungen nicht die gleiche Detailtiefe in der Gestaltung von Zeilen- und Spaltenstrukturen abbildet.
Gleichzeitig wird deutlich, dass Report Painter und Embedded Analytics zwar fachlich auf dasselbe Ziel einzahlen sollen – nämlich einen belastbaren Controlling-Bericht bereitzustellen –, sich aber grundlegend darin unterscheiden, wie dieses Ergebnis erreicht wird und welches Gestaltungs- und Nutzungskonzept dahintersteht.
Daraus ergibt sich häufig der Bedarf, SAP-Standardinhalte gezielt zu erweitern – idealerweise so, dass die Anpassungen schnell, pragmatisch und kosteneffizient umgesetzt werden können.
Typische Kundenanforderungen an die Berichtserstellung, die im Zuge neuer Technologien adressiert werden sollen, sind beispielsweise:
flexible Spaltenstrukturen, die alternative KPI-Darstellungen ermöglichen,
berechnete Spalten (z. B. Abweichungen, Quoten, prozentuale Veränderungen),
Vergleiche zwischen zwei Planungskategorien bzw. Planständen innerhalb einer Auswertung.
Ziel: Der Kunde erwartet, dass die standardisierten analytischen Fiori-Berichte gezielt um unternehmensspezifische Anforderungen erweitert werden.
Mit einer SAP S/4HANA Transformation schaffen Sie die Grundlage für effiziente Finanzprozesse, klare Strukturen und eine zukunftssichere Systemlandschaft.
Wann kommt die Fiori App „benutzerdefinierte analytische Abfragen“ zum Einsatz?
Sie kommt dann zum Einsatz, wenn SAP-Standard-Fiori-Berichte (z. B. „Kostenstellen Plan/Ist“, „Profit Center Plan/Ist“) um unternehmensspezifische Anforderungen erweitert werden sollen und die erforderlichen Datenquellen im Backend bereits verfügbar sind – das heißt, die Datenbereitstellung muss nicht neu aufgebaut werden, sondern es geht primär um die Ausgestaltung der Auswertung.
Was wird benötigt, um diese Entwicklungen durchführen zu können?
Voraussetzung ist der Zugriff auf die entsprechenden Apps im Fiori Launchpad sowie die passende Berechtigung.
Mit der Fiori-App „View Browser“ können vorhandene Datenquellen bzw. InfoProvider in Form von CDS Views (auf Basis des VDM) recherchiert und bewertet werden.
Die eigentliche Berichtserstellung bzw. Erweiterung erfolgt anschließend über die Fiori-App „Benutzerdefinierte analytische Abfragen“, in der die neue Abfrage (inkl. Struktur, Filter und Kennzahlenlogik) aufgebaut wird.
Analyse des bestehenden Report-Painter-Berichts: Prüfung von Zeilen- und Spaltenstruktur, Selektionslogik, Filtern sowie fachlicher Logik (Zusammenhänge, Berechnungen, Abhängigkeiten).
Analyse der relevanten SAP-Standard-Fiori-App: Identifikation und Ableitung der zugrunde liegenden Datenquellen/InfoProvider als Basis für den „neuen“ Bericht.
Anforderungsaufnahme: Klärung, welche Inhalte und Auswertungslogik der neue Bericht liefern soll (Zielbild, KPIs, Filter, Vergleichssichten).
Konsum des neuen Berichts – wie soll der Bericht an die End User verteilt werden?
Umsetzung
Definieren der Report Bezeichnung und auswählen der Datenquelle.
Bei der Auswahl der Datenquelle kann man sich an vorhandenen SAP Standard Fiori Apps orientieren und die Quelle mit Hilfe der Fiori App „View Browser“ ableiten.
Organisationsdimensionen, z. B. Kostenstellen, Profit Center
Fachliche Detaildimensionen, z. B. Sachkonten
Spaltenstruktur
Kennzahlen für Ist- und Planwerte
Abweichungen (absolut und prozentual)
Zusätzliche Kennzahlen, z. B. eingeschränkte oder berechnete Kennzahlen
Spaltenbezeichnungen: entweder fix definiert oder dynamisch (abhängig von Auswahl/Variante)
Freiwählbare Merkmale
Organisation: Buchungskreis, ggf. Kostenrechnungskreis/Controlling Area, Profit Center, Kostenstelle, Hierarchie-Knoten, Verantwortungsbereich
Zeit: Geschäftsjahr, Periode (Monat), YTD/MTD, ggf. Vergleichsperiode (Vorjahr) sowie eine definierte Jahresscheiben-Logik
Planungslogik: Planversion und Plankategorie (fachlich festzulegen, ob Single- oder Mehrfachauswahl zulässig/gewünscht ist)
Währung & Bewertungslogik: Transaktions- bzw. Konzernwährung (falls relevant) und ggf. das zugrunde liegende Währungsumrechnungskonzept
Ausprägung und Parametrisierung der einzelnen Felder
Feldeigenschaften festlegen: Bezeichner/Label, zugehörige Dimension, Art der Ergebnisanzeige, Formatierung (z. B. Dezimalstellen, Vorzeichen, Skalierung), Sortierlogik sowie die Zugehörigkeit zur jeweiligen Achse (Zeile/Spalte/Filter).
Hierarchien
Die Ausgestaltung von Hierarchien kann – insbesondere wenn die Navigation und Selektion über Hierarchieknoten erfolgen soll – herausfordernd sein und erfordert eine saubere fachliche und technische Abstimmung.
Filterkonzept – Welche Felder werden wie gefiltert? Dabei ist festzulegen, welche Merkmale als Filter zur Verfügung stehen und wie sie belegt werden sollen:
als Festwerte (fix vorgegeben),
als Benutzereingaben (zur Laufzeit selektierbar), oder
über Ableitungen/Default-Logiken (z. B. automatische Vorbelegung auf Basis von Kontext, Zeit oder Organisation).
Festwerte (Include/Exclude) definieren die Selektionslogik Festwerte legen fest, welche Werte in die Selektion aufgenommen (Include) bzw. ausgeschlossen (Exclude) werden. Diese Vorgaben können entweder statisch als feste Filterwerte hinterlegt oder als Benutzereingabefilter ausgestaltet werden, sodass Anwender die Selektion zur Laufzeit steuern können.
Benutzereingabewerte (Eingabeparameter) festlegen Für jedes Eingabefeld ist zu definieren, wie es selektiert werden darf (z. B. Einzelauswahl, Intervall, Auswahl über Hierarchieknoten). Zusätzlich ist festzulegen, ob das Feld Mehrfachselektion unterstützt und ob es als Pflichtfeld geführt wird.
Ableitungsfunktionen definieren, welche Werte dynamisch aus anderen Informationen oder Strukturen abgeleitet und automatisch vorbelegt werden (z. B. aus organisatorischem Kontext, Zeitlogik oder zuvor gewählten Selektionswerten).
Hierarchien
Mit dem Fachbereich ist abzustimmen, welche Hierarchien bzw. Gruppen (z. B. Kostenstellen- oder Profit-Center-Gruppen) im Bericht verwendet werden sollen und wofür sie fachlich stehen.
Sollen bestehende Hierarchien und Gruppen weitergenutzt werden, ist sicherzustellen, dass sie in ein S/4HANA-kompatibles Format überführt werden. Dies kann beispielsweise über die Fiori-App „Globale Hierarchien verwalten“ erfolgen, um die Hierarchien entsprechend aufzubereiten und im Reporting nutzbar zu machen.
Berichtsvorausschau und Freigabe In der Vorschau wird der fertig konfigurierte Bericht geprüft, um sicherzustellen, dass er die fachlichen Anforderungen erfüllt (Inhalte, Struktur, Filterlogik, Ergebnisse). Nach der Freigabe werden die notwendigen OData-Services aktiviert, sodass der Bericht anschließend konsumiert und in den relevanten Apps bzw. analytischen Szenarien genutzt werden kann.
Sobald der Bericht fachlich und technisch finalisiert ist, müssen im nächsten Schritt Themen wie initiales Customizing, Berechtigungen sowie der Transport in die Produktivsysteme gemeinsam mit IT und Fachbereich abgestimmt werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Anwender im Rahmen einer kurzen Schulung gezielt abzuholen: etwa zur Speicherung von Varianten im Selektionsbereich, zu Exportmöglichkeiten (Excel/PDF), zur Funktionsweise von Bookmarks (insbesondere bei Nutzung von Hierarchien und Hierarchieknoten) sowie dazu, wie sich Anzeige und Darstellung in der Auswertung individuell anpassen lassen.